Ein Botter von der Zuiderzee – gebaut im Maßstab 1:20
Von Heinz Eichner
Wer in den Niederlanden am heutigen Ijsselmeer seinen Urlaub verbringt und sich in Küstenstädten wie Enkhuizen, Volendam, Hoorn auf der Westseite oder im süd-östlich von Amsterdam gelegenen Spakenburg -um nur einige zu nennen - auf die Suche nach historischen holzgebauten Schiffen macht, wird einen ganz besonderen Schiffstyp immer wieder antreffen, den Zuiderzee-Botter.
Zuiderzee war bekanntlich der Name einer im nordwestlichen Teil der heutigen Niederlande gelegenen großen Bucht zur Nordsee, bevor aus dieser in den 30iger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch Errichtung eines mehr als 30 Kilometer langen Dammes das heutige Ijsselmeer und zusätzliches Land geschaffen wurde.
Der Zuiderzee-Botter ist ein für die damalige Küstenregion typischer Vertreter von Plattbodenschiffen, genauer gesagt ein flachbodiger, halbeingedeckter Küstensegler mit schmalen Seitenschwertern, einem Hauptmast mit Gaffelsegel, Fock -und Klüver und einem zusätzlich einsetzbaren mobilen Sprietsegel. Botter wurden für den Fischfang in den küstennahen Bereichen der Nordsee gebaut und eingesetzt, daher auch die Konstruktion als Plattbodenschiff, das bei Ebbe leicht trockenfallen konnte und das etwa in Schiffsmitte mit einer stets mit Frischwasser durchfluteten Bünn zur Aufnahme und zum Transport des Fanggutes ausgestattet war. Heute beherbergt die Bünn in der Regel den Motorantrieb, denn die Zeiten des Fischfanges sind für den Botter schon lange vorbei.
Wann in etwa die ersten Botter vor der niederländischen Küste zu beobachten waren, lässt sich nicht verlässlich sagen – es gibt Hinweise darauf, dass das bereits im 15./16. Jahrhundert der Fall gewesen sein kann. Wie für den Schiffsbau in solch früher Zeit und auch noch lange danach üblich, war - und ist auch heute noch - Botter nicht gleich Botter; je nach Region und Bauwerft findet man Unterschiede und Abweichungen in Größe und Ausstattung. Eines aber haben alle Botter in alter holländischer Schiffsbautradition bis heute gemein: das gesamte Erscheinungsbild des Seglers, von der Rumpfgestaltung bis zum Rigg, stellt eine äußerst gelungene Synthese von zweckbestimmtem Nutzfahrzeug und ästhetisch durchaus ansprechendem Transportmittel dar.
Das Modell wurde in rd. 2jähriger Bauzeit im Maßstab 1:20 nach einem Bauplan von J.van Beylen erstellt. Ergänzend dazu lieferte eine Baubeschreibung in gebundenem DIN A4 Format vom gleichen Autor, die mit zahlreichen handgezeichneten Details bebildert ist, wertvolle Hilfestellung. (Genauere Angaben siehe unten)
Als Holz wurde Birnbaum - und Ebenholz für die Barkhölzer verwendet. Der Einsatz des Ebenholzes resultierte in erster Linie aus dem Bedürfnis nach Resteverwertung. Trotz einer gegenüber Schwarzfärbung durch Beize vielleicht erkennbaren optischen Aufwertung des Modells durch die Verwendung von Ebenholz würde ich bei einem nochmaligen Bau aber auf die Verwendung von diesem gerne verzichten wollen. Die doch sehr spezifischen Eigenschaften des Ebenholzes und die damit einhergehenden Bearbeitungsprobleme habe ich wohl eindeutig unterschätzt.
Das Birnbaumholz wurde nach Fertigstellung des Modells zum Teil mehrfach mit Holzbeize (Farbton goldteak) und abschließend mit seidenglänzendem Holzlack behandelt. Anker und Beschlagteile sind überwiegend aus Messing, z.T. aus Kupfer gefertigt.
Maßangaben zum Modell und Original:
Länge Rumpf (ohne Ruder): 63,0 cm ( entspricht 12,60 m im Original )
Länge mit Ruder und Bugspriet: 84,5 cm ( entspricht 16,90 m im Original )
Breite Rumpf (ohne Barkholz): 19,5 cm ( entspricht 3,90 m im Original )
Höhe (Kiel bis Mastspitze): 69,0 cm ( entspricht 13,80 m im Original )
Angaben zum Bauplan ( 3 Blatt ):
Zuiderzee-Botter von J.van Beylen / Nederlandse Vereniging van Modelbouwers / Nr.10.03.003
Angaben zur Baubeschreibung :
Zuiderzee botter -Bouwbeschrijving voor een model / scheepsmodelbouw 3 / Verfasser : J.van Beylen Verlag : Nikabook ISBN 978-90-8616-221-5





















